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Neues aus Ho und Besuch einer Krönung

Autor: Rebekka | Datum: 15 September 2016, 13:08 | 2 Kommentare

Seid meinem letzten/ersten Eintrag ist schon wieder einiges passiert:

Zum Beispiel haben wir ein neues kulinarisches Highlight ausprobiert, und zwar Pommes mit Tomatensuppe. Diese Kombi entstand durch eine kleine Unklarheit, ob Soße nun “soup“ oder “sauce“ heißt oder auch beides sein kann. Also “soup“ ist definitiv Suppe haben wir festgestellt. Trotzdem schmeckte das Ergebnis richtig gut und nachdem das Personal des Restaurants, in dem wir in der ersten Woche gegessen haben, sich auch stark darüber gewundert hatte, was wir für Essensgewohnheiten haben und wir alle erst mal viel lachen mussten, haben wir auch noch Ketchup zu den Pommes bekommen.

Auf den nächsten Morgen, also Samstag, hatten wir uns auch schon gefreut. Weil wir nämlich Ausschlafen konnten. Das hatten wir zumindest gedacht bis Joel uns in die Quere kam. Joel ist ein Freund von uns und wollte uns um 5:30 Uhr mit zum Sport nehmen. Dementsprechend sind wir dann doch früher aufgestanden und mit Joel und einer Freundin von ihm zum Sports Stadium gejoggt. Dort haben wir uns dann mit mehreren Leuten getroffen und zusammen Sport gemacht. Das hat total Spaß gemacht, war aber auch sehr anstrengend und hat leichte Spuren in Form von Muskelkater hinterlassen.

Am Sonntag waren wir das erste mal im Gottesdienst, der vom Gesang des Chores eröffnet wurde. Dort sollten wir der Gemeinde vorgestellt werden. Viel mehr habe ich leider nicht mitbekommen, da mein Kreislauf dann nicht mehr so mitgemacht hat und Svanja und ich nach Hause gegangen sind. Nachdem Peter (bei ihm wohnen wir) uns dann Frühstück gemacht hatte, ging es mir auch schon besser und ich habe mich dann einfach noch ein bisschen ausgeruht. Joel zufolge war das die Begrüßung Ghanas und des Wetters.

Am Montag waren Svenja, Eyram (sie ist im Grunde für uns zuständig und kümmert sich ganz lieb um uns) und ich dann auf dem Markt, weil Marketday war. Auf dem Markt gibt es eine riesige Auswahl an Obst und vor allem Gemüse. Vor allem wenn Marketday ist, sind besonders viele Stände aufgebaut und es gibt auch vieles günstiger. Gleichzeitig ist es aber auch wesentlich voller und ziemlich anstrengend, wie ich finde. Trotzdem haben wir alles bekommen, was wir brauchten und haben dann gekocht. Also eigentlich hat eher Eyram gekocht und wir haben zugesehen, damit wir danach selber kochen können und es dabei auch noch schmeckt. Ich finde mittlerweile bekommen wir das schon ziemlich gut hin.

Außerdem gehen wir weiterhin zum Ewe Unterricht bei Franklin. Franklin ist ein unglaublich freundlicher Mensch, der auch immer beeindruckende Geschichten aus seinem Leben zu erzählen hat, die den Unterricht etwas auflockern. Leider ist es trotzdem relativ schwierig Ewe zu lernen, bzw. es braucht vermutlich einfach auch einiges mehr an Zeit. Trotzdem Franklin davon überzeugt, dass wir eines Tages Ewe-Professoren werden.

Freitags hat hier dann das Yams-Festival begonnen, dessen Hauptfest am nächsten Samstag ist. Yam ist eine Wurzel, die ähnlich wie Kartoffel schmeckt wenn man sie kocht oder frittiert dann ähnlich wie Pommes. Jedes Jahr wir dann zur Zeit der Yams-Ernte dieses Fest gefeiert. Es basiert darauf, dass die Bauern sich für die Ernte bedanken und am Freitag fand eine Parade statt. Die erinnerte ein bisschen an Karneval, da Wagen mit lauter Musik durch die Straßen fuhren und einige Leute verkleidet waren. Jedoch nicht als z.B. Pirat oder Clown, sondern als Bauer mit sandiger Kleidung oder als Person des anderen Geschlechts. Der Zug endete dann auf einer großen Wiese und es wurde noch zur Musik getanzt.

Bei meinem zweiten Versuch zum Gottesdienst zu gehen, ist dann auch nichts schiefgegangen und ich habe alles mitbekommen. Glücklicherweise gibt es sowohl einen Ewe- als auch einen englischen Gottesdienst, sodass wir auch verstehen können, was gepredigt wird. Anschließend waren wir bei Eyram eingeladen zum Banku essen. Auf dem Weg zu ihr hatten wir zwar kleine Schwierigkeiten, aber nachdem sie dem Taxifahrer am Telefon beschreiben hat, wo wir hin müssen, sind auch wir angekommen. Dann gab es Banku zu essen mit einer Erdnusssoße. Wir sind zwar alle nicht die größten Banku Fans, aber ansonsten war es echt lecker.

Wenn wir selber kochen haben wir ansonsten ziemlich viel Tomatensoße zu entweder Reis oder Yam oder Spaghetti gegessen, weil wir das gut hinkriegen. Auf dem Markt haben wir jetzt aber auch mal ein paar andere Sachen eingekauft, damit unser Speiseplan etwas variabler wird. Pfannkuchen haben wir aber z.B. auch schon gemacht.

Montags war dann ein muslimischer Feiertag. Ich weiß leider nicht was für einer, aber für uns war das wieder eine Chance zum Ausschlafen, weil es keine Devotion gab. Die Devotion ist eine Andacht, die jeden morgen um 8 auf dem Gelände der E.P.Church stattfindet.

Außerdem haben wir die Zeit genutzt, um Wäsche zu waschen und Paula, Morton und Lilia haben uns besucht. Mit Paula hatten wir gemeinsam einen Sprachkurs in Bremen und sie ist jetzt in Ghana, um für ihre Masterarbeit zu recherchieren. Deshalb haben wir uns sehr über den Besuch gefreut und alle gemeinsam zu Mittag gegessen. Zufälligerweise kam nach dem Essen auch Jim vorbei, den wir dann kennengelernt haben. Er war auf der Suche nach dem Moderator der E.P.Church, um mit diesem etwas zu besprechen. Jim kommt aus dem Norden der USA und kommt gemeinsam mit seiner Frau seit 17 Jahren regelmäßig nach Ghana in einen Nachbarort von Ho, Kpenoe. Dort haben sie schon viel aufbauen können, wie z.B. eine Schule, eine Kirche und eine Teakholz-Plantage, um auch für künftige Generationen eine Einkommensquelle zu sichern. Von ihm haben wir erfahren, dass am Mittwoch in Kpenoe eine Queen Mother gekrönt werden soll und er wollte sich für uns beim Chief erkundigen, ob wir dabei zusehen können. Zuvor hatte es dort für 10 Jahre keine Queen mother gegeben. Durch das System der Queen mothers und Chiefs habe ich noch nicht ganz durchgeblickt, aber ich versuche es mal so gut es geht zu erklären. Sowohl Queen mother als auch Chief werden ausgewählt und erhalten das Amt nicht z.B. durch eine Blutslinie. Bei der Auswahl wird darauf geachtet, dass sie weise, klug und gerecht sind. Nach der Krönung bleiben sie auf Lebzeit im Amt und die Queen mother ist für die Frauen und Kinder verantwortlich, während der Chief für die Männer zuständig ist. Dann werden sie z.B. um Ratschläge gebeten, sollen die Bildung der Einwohner fördern und bei Streiten schlichten. Zusätzlich gibt es auch noch untergeordnete z.B. Queen mothers die dann nur für verschiedene Bereiche zuständig sind und eine für die ganze Umgebung Ho`s.

Glücklicherweise hat der Chief sich sehr über Jims Anfrage, ob wir mitkommen dürfen, gefreut und uns zu der Krönung eingeladen. Also hat uns Mittwoch morgen ein Fahrer abgeholt und nach Kpenoe gebracht. Dort hat Jim uns in Empfang genommen und uns noch ein paar Tipps gegeben, wie z.B. das wir die Leute von rechts nach links begrüßen sollen. Dann wurden wir in einen Raum gebracht, der in der Mitte eine Stufe hatte. Im oberen Teil waren Stühle aufgestellt, auf die wir uns setzen konnten. Im unteren Teil waren stattdessen Sofas und zwei verzierte Holzstühle ohne Lehne aufgestellt, auf denen die Queen mothers und chiefs nach und nach Platz nahmen. Einige zogen sich auch noch im Nebenraum um, denn während der Zeremonie trugen alle Gewänder aus Kentestoff. Das ist ein besonderer Stoff, der sehr fest gewebt ist und auch deutlich teurer als normaler Stoff.

Nach einer Begrüßungsrunde begann dann die Zeremonie auf einem großen Platz. Dort nahm die Queen mother, die erst 23 Jahre alt ist, ihr Amt an und bekam auch einen neuen Namen. Außerdem wurde zu Ehren der Vorfahren gebetet und eine Ziege geopfert. Die Zeremonie wurde zusätzlich auch durch die Musik einer Blaskapelle begleitet und verschiedene Personen haben noch gesprochen. Wenn ein Chief oder eine Queen mother etwas sagt, steht vor ihnen der Linguist auf und nicht sie selber. Die Linguisten und Queen mothers/ Chiefs kann man an der Art wie sie ihre Kleidung tragen, da die Linguisten keinen Stoff über die Schulter geschlagen haben. Im naschluss an die Zeremonie ging es wieder zurück zum Haus des Chiefs, wo wir alle etwas zu Essen bekamen. Der Chief wurde uns von Jim als sehr weiser Mann vorgestellt, weil er davon überzeugt ist, dass Armut nur durch Bildung behoben werden kann. Deshalb hat er in Kpenoe dafür gesorgt, dass es vom Kindergarten bis zur Uni oder Berufsschule einen guten Bildungsweg gibt. Mit einigen Uniabsolventen hat er außerdem die Wasserversorgung erneuert, um Wurmerkrankungen voezubeugen.

Insgesamt war die Krönung ein sehr beeindruckendes Erlebnis und wir haben uns sehr wohl gefühlt, weil wir total herzlich empfangen wurden. Vorher war zumindest ich mir etwas unsicher, ob wir uns gegenüber den doch deutlich ranghöheren Personen angemessen verhalten, aber es ist alles gut gegangen oder es hat sich zumindest niemand etwas anmerken lassen, wenn wir was falsch gemacht haben.

Miagadogo/ Bis Bald

Rebekka

 

 

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